Tools-Festival – Digitales Theater-Labor

Tools ist ein digitales Theater-Labor und -Festival und ein gutes Beispiel dafür, wie Krisen auch Chancen und Weiterentwicklungen bedeuten können. Die Realisator*innen des Festivals sind das Institut für künstlerische Forschung (!KF), die Streaming-Plattform Spectyou, der Online-Dienst Die Digitale Bühne sowie das Theater Rampe in Stuttgart. Vom 14. bis 16. Oktober werden die Möglichkeiten des digitalen Theaters in Premieren, Tryouts und interaktiven Experimenten verhandelt und in einem Panel diskutiert. Das volle Programm wird live auf Spectyou gestreamt und steht im Anschluss on demand zur Verfügung. Im Theater Rampe gibt es zusätzlich die Möglichkeit, ausgewählten Aufführungen analog beizuwohnen. Wir haben bei den Organisator*innen nachgefragt.

Tools-Festival – Digitales Theater-Labor

Das Theater ist tief in der Idee des Analogen verwurzelt. Erst in der Co-Präsenz des Publikums entfaltet die Bühne und mit ihr das Schauspiel seine Kraft und Magie. Hat die Digitalität hier überhaupt einen Platz oder eine Berechtigung? Marie Bues, Intendantin am Theater Rampe in Stuttgart, und Elisabeth Caesar, Gründerin der Streaming-Plattform Spectyou und uns vom Content Creator Festival bekannt, beantworten das ganz klar mit ja! Während der Lockdowns hatten sie die gemeinsame Idee, ein Theater-Festival auf die Beine zu stellen, das sich den digitalen Möglichkeiten des Theaters widmet, diskutiert und in performativen Tryouts einfach probiert. Tools war geboren und findet vom 14. bis 16. Oktober statt.

Digitale Erweiterungen im analogen Raum

Szene aus „Der Mensch ist ein anderer“ – © Theater Rampe

“Die Corona-Krise hat die Digitalisierung der Theater weiter vorangetrieben”, sagt Marie Bues im reingehört-Podcast. “Da haben sich viele Theater lange geweigert oder das ein bisschen langsamer gemacht und auf die analoge Kraft des Theaters verwiesen. Wir von Tools glauben, dass man das verbinden kann, dass das Digitale eine Erweiterung der Theaterräume bedeuten könnte.”

Digitalisierung also nicht als Stattdessen, sondern als Raum für neue Möglichkeiten. Tools versteht sich als Plattform, diese zu erschließen. Das Labor und Festival bietet eine Mischung aus bestehenden Arbeiten, die erstmals im digitalen Raum stattfinden, sowie Uraufführungen, Tryouts und interaktiven Experimenten. Das komplette Programm wird live auf Spectyou gestreamt und steht im Anschluss on demand noch bis zum 24. Oktober zur Verfügung. Einige Programmpunkte finden zusätzlich im Theater Rampe in Stuttgart statt, wo die Zuschauenden vor Ort einen Blick hinter die Kulissen einer digitalen Theater-Performance werfen können.

„Das Label ‘Digitales Theater’ hat ein bisschen seinen Schrecken verloren.“

Szene der Online-Performance „Humae Methods: 4.01 The Ether Sessions“ – © Fronte Vacuo

Ausgehend von dem Projekt Die Digitale Bühne, einer Audio-Video-Konferenzschaltung für Kunst-, Musik- und Theaterensembles, die es ermöglichen soll, live auf einer digitalen Bühne ohne Zeitverzögerung zu proben, haben die Kollektive unter dem Einsatz neuer Techniken diverse Entdeckungsmöglichkeiten des digitalen Raumes und Formen eines virtuellen Miteinanders erschaffen. Bei dem Projekt “Die schöne grüne Wiese – Erkundungen im imaginären Raum” der Freien Filiale stehen die Schauspielenden beispielsweise vor einem Greenscreen, während das Bühnenbild live auf einem Zeichenbrett entsteht. Das Publikum wird so zu einem Co-Creator, das aktiv auf die Sichtbarwerdung der imaginären Räume Einfluss nehmen kann.

Bei “Der Mensch ist ein Anderer” der Gruppe CyberRäuber greift derweil eine Künstliche Intelligenz ins Spielgeschehen ein und gibt den Schauspielenden Handlungsanweisungen.

Mit der Einbindung solcher Technologien ist Tools am Puls der Zeit. “Während der Krise haben wir alle dazu gelernt”, sagt Kathrin Stärk, verantwortlich für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Festivals, im Interview. “So hat auch das Label ‘Digitales Theater’ ein bisschen seinen Schrecken verloren, weil durchaus auch im Digitalen gemeinschaftliche Erlebnisse entstehen können.”

Tools ist kein Lockdown-Format

Tools versteht sich jedoch nicht als Krisen-Format, das die Zeit bis zu einem Normalbetrieb überbrücken soll, wie Marie Bues im Podcast erklärt: “Wir wollen auf die Kraft des Theaters und auf die Kraft der Schauspielenden auf der Bühne setzen. Aber ich glaube, dass sich das wechselseitig bestärken kann, dass quasi die digitale Innovation für das Theater ganz neue, tolle Möglichkeiten bietet. Das hat gar nichts damit zu tun, ob wir jetzt im Lockdown sind oder nicht.”

Um am Festival teilnehmen zu können und Teil der Experimente zu werden, kann entweder ein Festival-Pass erworben werden, der Zugang zum gesamten Programm ermöglicht, oder es können nur einzelne Programmpunkte ausgewählt werden. Der Pass kostet 50 Euro (25 Euro ermäßigt) und die Einzeltickets kosten nach dem Pay what you want-Prinzip zwischen 3 und 50 Euro. Der analoge Besuch im Theater Rampe ist am dritten Festivaltag, dem 16. Oktober möglich.

Das komplette Programm und Tickets gibt es hier.


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