Games-Förderung in Deutschland – Gelder von Bund, Ländern und EU

Die deutsche Games-Branche ist nicht wettbewerbsfähig. Das liegt auch an dem Thema Förderung, die hierzulande noch in den Kinderschuhen steckt. In den Bundesländern zeigt sich der Föderalismus und glänzt mit großen Unterschieden – einige Länder haben überhaupt kein Förderprogramm. Und auf Bundesebene gibt es erst seit 2019 eine Games-Förderung, die ein wichtiges politisches Signal ist. Und dann gibt es da auch noch die Europäische Union, die mit dem Arbeitsprogramm “Creativ Europe” viel Geld in die Kultur- und Kreativbranchen pumpen will und wo auch die Games-Entwicklung vorgesehen ist. Wir geben einen Überblick über die deutsche politische Lage nach dem Regierungswechsel und die Fördermöglichkeiten für Game-Entwicklung auf den Ebenen Bund, Länder und EU.

Games-Förderung in Deutschland – Gelder von Bund, Ländern und EU

In unseren Beiträgen kam in letzter Zeit immer mal wieder das Thema Games-Förderung auf, so wie in den Interviews mit Felix Falk vom game – Verband der deutschen Games-Branche oder mit Johanna Janiszewski, der Gründerin der Tiny Crocodile Studios. Jetzt wollen  wir uns dem Thema etwas ausführlicher widmen und die Situation in Deutschland nach dem Regierungswechsel beleuchten.

Die Games-Förderung auf Bundesebene hat in Deutschland noch keine lange Tradition – genau genommen noch gar keine. Erst die Vorgängerregierung aus CDU und SPD hatte ein erstes Förderprogramm auf Bundesebene in 2019 auf den Weg gebracht. Dafür sind 50 Millionen Euro pro Jahr eingeplant. Zuständig war bis zum Regierungswechsel Andreas Scheuer, der das Games-Referat bei sich im Bundesministerium für Verkehr und Digitale Infrastruktur (BMVI) installierte. Kurz vor Ende seiner Amtszeit zeigte er sich sichtlich zufrieden über den Erfolg der Games-Förderung, wie die Games Wirtschaft berichtete. Der Plan sei aufgegangen.

Der Plan ist der, die Games-Branche insgesamt zu stärken und international wettbewerbsfähig zu machen. Im Vorwort der Strategie für den Games-Standort Deutschland ist sogar das Ziel formuliert, zu einem internationalen Leitmarkt zu werden. Bei einem Marktanteil deutscher Studios von weniger als fünf Prozent auf dem Heimmarkt ist hier offensichtlich noch einiges zu tun. Doch die Förderung zeigt Wirkung. Und so durfte Scheuer zum Ende noch bekannt geben, dass mit der Förderung eine AAA-Ko-Produktion nach Deutschland geholt werden konnte, die mit 1,6 Millionen Euro gefördert wird. Es handelt sich dabei um ein Online-Rollenspiel nach Vorlage des Sci-Fi-Klassikers Dune. Das Projekt läuft unter dem Namen Seabass.

Deutschland will wettbewerbsfähig werden

AAA-Games sind quasi die Blockbuster unter den Spielen, die mit sehr hohen Budgets arbeiten und dementsprechend auch auf hohe Gewinne angewiesen sind. Solche Projekte bringen internationale Aufmerksamkeit mit sich und sind wichtig für die Reputation eines Wirtschaftsstandortes und insofern ist Seabass natürlich Musik in Scheuers Ohren. Zu Beginn des Programms in 2019 waren solche Förderungen noch nicht möglich, da in der Pilotphase nur kleinere Vorhaben bis 200.000 Euro gefördert werden durften. Grund dafür war eine noch ausstehende Genehmigung des Programms von Seiten der EU. Diese hatte zu prüfen, ob die geplante Förderung zu einer Wettbewerbsverzerrung unter den Staaten der Europäischen Union führen könnte. Die Antwort gab es dann 2020: nein! Kein Wunder, da Deutschland in Sachen Games im internationalen Vergleich ziemlich hinterherhinkt. Tatsächlich geht es bei der Förderung eher darum, überhaupt erst wettbewerbsfähig zu werden. Seit der Freigabe können nun also auch große Fördersummen für Projekte wie Seabass ausgeschüttet werden.

Obwohl der Games-Markt stetig wächst und der in Deutschland der fünftgrößte der Welt ist, schrumpft der Anteil deutscher Produktionen hierzulande. Auch die Zahl der Beschäftigten stagniert seit einigen Jahren. Die Förderung des Bundes zielt deshalb auf die gesamte Branche und nicht auf nur einige spezielle Genres ab. Grundsätzlich haben also erstmal alle Vorhaben Anspruch auf die Förderung, sofern der Antrag formal korrekt ist. Das zuständige Ministerium führt allerdings einen sogenannten “Kulturtest” durch, bei dem die Antragstellenden auf kulturelle Aspekte des Spiels eingehen müssen. Laut BMDV (einst BMVI), wo das Games-Referat aktuell noch ansässig ist, geht es dabei um Innovationen in den Vorhaben, die sowohl technisch, aber auch ästhetisch/künstlerisch sein können.

Gefördert wird sowohl die Entwicklung eines Prototypen, als auch die darauffolgende Spieleproduktion. Wer einen erfolgreichen Prototypen mithilfe der Förderung entwickelt hat, kann sich danach erneut auf die Förderung zur Produktion des Spiels bewerben. Da es sich um einen neuen Antrag handelt, kann das Projekt hier bei Bedarf entsprechend hochskaliert werden. Die Förderquote liegt bei maximal 50 Prozent des Budgets der Entwicklung bzw. Produktion. Den Rest müssen die Entwickler*innen selbst aufbringen. Damit folgt der Bund dem Prinzip der Anteilsfinanzierung, wobei es sich bei der Fördersumme um einen nicht rückzahlbaren Zuschuss handelt. Bedingung ist, dass das Unternehmen Sitz, Betriebsstätte oder Niederlassung in Deutschland hat. Eine detaillierte Übersicht gibt es beim game.  Für Entwickler*innen bedeutet das zwar einen hohen bürokratischen Aufwand, der schon öffentlich kritisiert wurde, birgt aber bei Erfolg auch sehr viel weniger Risiko in sich.

Steht die Ampel auf grün?

Im Koalitionsvertrag hat sich die Ampel auf “Mehr Fortschritt wagen” verständigt. Wie genau dieser im Bereich Games aussehen soll, wird nicht genauer festgelegt. Aber: „Wir wollen den Games-Standort stärken und die Förderung verstetigen”, heißt es im Koalitionsvertrag. Damit steht möglichen Investitionen also nichts im Wege.

Für das Games-Referat bedeutet die neue Regierung auf jeden Fall einen Umzug ins Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz und damit zu Robert Habeck. Solche Umzüge sind bei einem Regierungswechsel nicht ungewöhnlich und werden von dem*der Bundeskanzler*in geregelt, in diesem Fall also von Olaf Scholz. Ob dieser Umzug der Games-Förderung gut tut, ist nicht ganz klar. Denn Habeck verfolgt mit seinem Ministerium ehrgeizige Ziele in Sachen Klimaschutz, die etwas weiter oben auf seiner Agenda stehen dürften als Games. Der game sieht hier laut Dem Stern aber dennoch ein eher positives Zeichen. Denn neben dem Klimaschutz ist Games das einzige weitere Thema, das Habeck übertragen wurde, und dies sei ein gutes Signal hinsichtlich der politischen Bedeutung der Games-Branche in der kommende Legislaturperiode.

Föderalismus for Future

Gemäß dem Föderalismus in Deutschland ist die Games-Förderung erstmal Ländersache. Und wie es im Föderalismus so üblich ist, gibt es hier große Unterschiede in der Games-Förderung. Die erste Frage ist, ob es überhaupt ein solches Programm gibt. Denn nach wie vor gibt es Länder, die ganze null Euro in den hiesigen Games-Sektor investieren. Unter den existierenden Programmen gibt es wiederum große Unterschiede in der Fördersumme. Hier stechen Berlin, Bayern und Nordrhein-Westfalen heraus, die jährlich über 2 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Welches Land fördert und wenn ja, wie viel, hängt weniger von der Wirtschaftskraft des jeweiligen Games-Sektors ab, als vielmehr vom generellen finanziellen Spielraum des Landes und des politischen Fahrplans der amtierenden Landesregierung. Eine Übersicht aus dem Jahre 2020 gibt es bei den Kolleg*innen der Games-Wirtschaft.

In den Ländern gibt es jeweils eine Institution, bei der die Förderung angesiedelt ist. In Berlin ist es beispielsweise das Medienboard BerlinBrandenburg oder in Bayern der Film Fernseh Fonds Bayern (FFF Bayern). Der Ablauf der Förderung ist weitgehend einheitlich und unterscheidet sich von der des Bundes dahingehend, dass es sich um zinslose Kredite handelt. Diese müssen im Fall des wirtschaftlichen Erfolges zurückgezahlt werden. Nur wenn das Projekt floppt und keine Einnahmen erzielt, werden die Studios von dieser Pflicht entbunden.

Förderprogramm „Creative Europe“

Auch die Europäische Union hat ein Games-Förderprogramm, das im Rahmen von “Kreatives Europa 2021 – 2027” stattfindet. Das neue Programm soll die Kultur- und Kreativwirtschaften innerhalb der Union unterstützen und stellt insgesamt 2 Milliarden Euro in Aussicht. MEDIA ist das Teilprogramm für die audiovisuelle Branche. Das Arbeitsprogramm von MEDIA wurde letzte Woche von der EU-Kommission verabschiedet und sieht 385,6 Millionen Euro für den audiovisuellen Sektor vor. Mit der Verabschiedung sind nun auch Aufrufe und Ausschreibungen möglich, die ab Februar erwartet werden. 

Insgesamt gibt es 15 Förderlinien in den Bereichen Content, Business und Audience im Rahmen von MEDIA. Darunter fallen auch Games, wobei die Fördersumme laut Gamesmarkt im Vergleich zu anderen Bereichen wie Film oder Musik ungleich kleiner ist, aber immerhin stetig wächst. Mit sechs Millionen Euro ist für die Entwicklung von Videospielen sehr viel mehr im Topf als in den Vorjahren. Zum Vergleich hat der Bereich der europäischen Filmdistribution 33 Millionen Euro zur Verfügung.

Die Förderung ist ähnlich strukturiert wie die des Bundes in Deutschland. Auch hier handelt es sich um eine Anteilsfinanzierung bis maximal 50 Prozent der Kosten. Allerdings gedeckelt bis maximal 150.000 Euro pro Projekt, was nicht besonders viel ist. Es scheint, als setze die EU mehr auf Quantität als auf Großprojekte. Für Game-Studios lohnt es sich aber, auch in den anderen Förder-Clustern zu schauen, da es auch hier durchaus Fördermöglichkeiten für Games gibt, auch wenn diese nicht danach benannt sind. Wie so oft entscheidet hier oft die Wortwahl bei der Antragstellung. Sich hier im Vorfeld beraten zu lassen, könnte sich am Ende durchaus auszahlen.

Wie in allen Bereichen gibt es auch bei Games die sogenannten Förderrunden, in denen die Jury zusammenkommt und über die Anträge entscheidet. I.d.R. finden diese Runden mehrmals im Jahr statt. Für den eigenen Zeitplan der Produktion lohnt es sich also, die Deadlines der entsprechenden Förderrunde miteinzubeziehen.


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