Wie der Streamingdienst Joyn den deutschen Markt erobern will

Die Medien, über die wir unsere Informationen gewinnen, haben sich in den vergangenen Jahren stark weiterentwickelt. Das lineare Fernsehen rückt mehr und mehr in den Hintergrund und macht Platz für VOD-Dienste, Paid-TV und Videoportale. Das Nutzerverhalten hat sich verändert. Wir sprachen mit Tassilo Raesig, COO und Geschäftsführer von Joyn  über die Entwicklung von Streaming-Plattformen, was sie zum Schutz der Inhalte und Daten tun und wie die Werbung der Zukunft im VOD-Bereich aussehen wird.

Wie der Streamingdienst Joyn den deutschen Markt erobern will

Tassilo Raesig, COO und Geschäftsführer der Joyn GmbH

Comacon: Guten Tag Herr Raesig. Bitte stellen Sie uns Joyn kurz vor.

Herr Raesig: Joyn ist eine senderübergreifende Entertainment-Streaming-Plattform. Dabei bietet Joyn ein umfangreiches kostenfreies Angebot mit zahlreichen Live-TV-Channels, Serien, Dokumentationen und Filmen auf Abruf, Mediatheken und Sportinhalten von ProSiebenSat.1, Discovery sowie weiterer Content-Partner, alles gebündelt auf einer Plattform. Noch mehr Entertainment bekommen Nutzer*innen mit dem Premium-Angebot Joyn PLUS+. Hier sind zusätzliche Pay-TV-Channels und noch mehr Inhalte auf Abruf wie internationale Exclusives und lokale Originals enthalten.

 

Comacon: Joyn ist als Streamingdienst aus den TV-Konzernen ProSiebenSat.1 und Discovery entsprungen. Schaffen sich die klassischen TV-Sender damit selbst ab oder wird das Programm mit Joyn ergänzt und erweitert? Welche Unterschiede gibt es bei den Nutzern und Inhalten zwischen dem klassischen TV-Sender ProSieben/Sat.1 und Joyn?

Herr Raesig: Joyn ist eine ideale Ergänzung der Entertainment- und Produkt-Portfolios unserer Shareholder. ProSiebenSat.1 und Discovery Communications haben durch Joyn einen weiteren Verbreitungsweg ihrer Inhalte geschaffen. So sprechen wir zum einen genau das gleiche Publikum an und sind der Ort, an dem die Zuschauer*innen im TV verpasste Sendungen nachholen können, bieten zum anderen aber auch Inhalte auf Abruf und integrieren weitere Content-Partner. Sodass unser Nutzer*innen alles gebündelt auf einer Plattform finden.

 

Comacon: Besonders in diesem und letzten Jahr hat sich der VoD-Markt stark verändert. Einerseits kamen neue Dienste (Disney+, HBO) hinzu. Auf der anderen Seite sind die Nutzerzahlen von Streaming-Diensten auf Grund der globalen COVID Pandemie stark gestiegen. Wie setzt sich Joyn von anderen Diensten ab und erzeugt Ihren USP? Welchen Einfluss hatte das Jahr 2020 auf Joyn im Hinblick auf die Nutzer und das Programm?

 Herr Raesig: Zunächst einmal: Der Streaming-Markt ist kein “Winner-Takes-It-All-Business”. Natürlich wird es bei der Masse an Streaming-Diensten früher oder später zu einer Konsolidierung kommen. Aber der Bedarf steigt, das hat gerade auch die Corona-Lockdown-Zeit gezeigt. Joyn nimmt für sich eine einzigartige Positionierung im deutschen Markt in Anspruch:  Mit unserem “Freemium”-Modell sind wir klar positioniert am deutschen Markt und haben damit ein wichtiges Differenzierungsmerkmal. Eine Konsolidierung unterschiedlicher Entertainment-Angebote in einer App und unter einem Dach war etwas, nachdem viele Leute gesucht haben. Die Kombination aus kostenlosem Angebot mit Live-Streams und Mediathek mit Catch-Up, Preview-Inhalten und lokalen Originals, sowie mit einem Premiumbereich mit Live-Streams inkl. Pay-TV  in HD, noch mehr exklusiven, internationalen Inhalten und Premium-Originals, sowie Filmen und Serien gab es bislang nicht am deutschen TV-Markt.

Das Jahr 2020 ist für uns alle eine Herausforderung. Zum einen haben wir vor allem in den Monaten April, Mai und Juni eine steigende Nutzung unserer Plattform verzeichnet, zum anderen mussten einige Produktionen unserer Originals gestoppt werden. Das heißt, wir mussten neue, innovative Wege gehen, um unsere Content-Pipeline zu füllen und nun müssen wir bei unseren Produktionen vermehrt darauf achten, dass Hygienemaßnahmen eingehalten werden und wir so entsprechend weiter drehen und arbeiten können. Der Umgang am Set hat sich geändert, die Art und Weise wie produziert wird, hat sich geändert – aber nichtsdestotrotz haben sich alle Beteiligten schnell an die neue Realität angepasst und wir schaffen gemeinsam diese neuen Umstände zu bewältigen.

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Comacon: Illegale Zugriffe, Passwort-Sharing oder Screen-Capturing. Vor allem die Streamingdienste haben neue Herausforderungen zum Schutz Ihrer Inhalte. Was sind hier die größten Probleme / Herausforderungen? Was tut Joyn zum Schutz seiner Nutzer und Inhalte?

Herr Raesig: Eine ideale Nutzererfahrung sowie einfache, problemlose, und sichere Anwendbarkeit unserer Apps auf allen Devices ist für uns Top-Priorität. Um Sicherheit bei der Ausspielung der Inhalte zu garantieren und unrechtmäßige Zugriffe zu unterbinden verwenden wir entsprechend der Lizenzvorgaben verschiedene Schutzmaßnahmen. Dazu zählt zum Beispiel, dass wir nur einen gleichzeitigen Stream je Account erlauben und, dass die Anzahl der Geräte, über die je Account gestreamt werden kann, begrenzt ist. Grundsätzlich sind all unsere Inhalte durch industrieweit anerkannte digitale Verschlüsselungs- und Rechtemanagementverfahren geschützt.

 

Comacon: VoD hat die Möglichkeiten für Werbe- und Marketingmaßnahmen verändert und erweitert. Vor allem in Hinblick auf Targeting bieten Onlinedienste viele Vorteile. So lassen sich Streuverluste minimieren. Welche Möglichkeiten bietet Joyn aktuell für Werbende und wie sieht die Zukunft der Werbung im VoD Bereich aus?

 Herr Raesig: Die Möglichkeiten für Werbetreibende auf Joyn sind vielfältig. Zum einen vereint Joyn als lokale und digitale Streaming-Plattform durch die Kombination von Live-TV- und VOD-Inhalten die beiden Welten, lean back und -forward, zum anderen können User Joyn über diverse Geräte nutzen. Das heißt Werbetreibende erreichen den User unterwegs auf dem kleinen Screen oder am Laptop / Tablet aber auch zuhause vor dem Big Screen, sei es nun über das  TV-Gerät oder die Spielekonsole. Somit bieten wir ein ideales Werbeumfeld für kreative User Journeys. Dabei bedienen wir den aktuellen Bedarf an üblichen Targeting-Kriterien wie z.B. Geschlecht oder Alter und erweitern diese stetig weiter. Selbstverständlich halten wir uns dabei an die Anforderungen der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Dabei ist unser Ziel stets eine intelligente Werbeaussteuerung, um dadurch die bestmögliche Balance zwischen Werbung und User-Akzeptanz zu erreichen. Selbiges gilt auch für die Zukunft: sowohl wir als auch andere VOD-Plattformen werden weiterhin userfreundliche Werbeprodukte verbunden mit einer intelligenten Aussteuerung bieten und stetig optimieren müssen, um sowohl die User als auch die werbetreibende Industrie von sich zu überzeugen.

 

 Comacon: Das lineare Fernsehen scheint immer weniger Beachtung zu bekommen, vor allem bei der jüngeren Generation. Wie sieht die Zukunft des Fernsehens aus? Wird das lineare Fernsehen irgendwann komplett von den VoD Diensten ersetzt oder nur weiterhin ergänzt?

 Herr Raesig: Weniger relevant wird über welchen Verbreitungsweg Zuschauer*innen Content konsumieren. Also sei es klassisch über Kabel / Satellit oder über Streaming. Und natürlich gewinnen VOD-Inhalte weiter an Bedeutung. Nutzer*innen wissen es zu schätzen ihre Lieblingsinhalte genau dann abzurufen, wenn ihnen danach ist. Allerdings darf man Live-TV ganz und gar nicht unterschätzen. Auf Joyn entfallen 50 Prozent der Gesamtnutzung auf Live-TV-Inhalte. Viele Menschen möchten auch nach wie vor zu bestimmten Uhrzeiten beispielsweise Nachrichten sehen, Live-Sport live sehen oder sich auch schlicht nicht vor die Qual der Wahl in einer großen Mediathek stellen, sondern nutzen die kuratierten Inhalte im Live-TV.

 

Comacon: Wohin wird sich Joyn in den kommenden Jahren entwickeln?

Herr Raesig: Unser Ziel ist es, eine umfassende deutsche OTT-Plattform senderübergreifender Inhalte zu schaffen. Wir sind der Überzeugung: Joyn wird sich zum führenden lokalen Streaming-Anbieter in Deutschland entwickeln.

Wir bedanken uns recht herzlich für dieses Interview und werden die Entwicklung der Streamingdienste gespannt beobachten.


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